NNS19: Sheila Hicks. a little bit of a lot of things
Shownotes
Die US-amerikanische Künstlerin Sheila Hicks (*1934) hat sich über sechs Jahrzehnte hinweg immer wieder neu erfunden: von der Arbeit im Kontext des textilen Kunsthandwerks hin zu einer international renommierten zeitgenössischen Künstlerin. 2023 zeigte das Kunstmuseum St. Gallen in der Lokremise eine umfassende Einzelausstellung mit dem Titel «a little bit of a lot of things». Wir besprechen das gleichnamige Buch erschien zwei Jahre später und ist weit mehr als ein Ausstellungskatalog. Mit dem dem Kurator und Direktor des Kunstmuseums St. Gallen Gianni Jetzer haben wir einerseits darüber gesprochen, wie ein Museum lokale Themen mit internationaler Kunstgeschichte verwerben kann, andererseits darüber, wie enge Freund:innenschaften die Entstehungsprozesse von Ausstellungen beflügeln können. Im Gespräch mit den Gafiker:innen Jana Liebe und Jonas Vögeli (Hubertus Design, Zürich) erhielten wir zudem Einblick in den zweijährigen Entstehungsprozess und wie sie vorgegangen sind, um die Stofflichkeit von Hicks' Werk in ein Buch zu übersetzen.
IMPRESSUM Herausgeber:innenschaft: Gianni Jetzer, Kunstmuseum St. Gallen Gestaltung: Hubertus Design mit Jana Liebe Verlag: Hatje Cantz Druckerei: robstolk amsterdam ISBN: 978-3-7757-5978-6
EXPERT:INNEN Gianni Jetzer, Kurator Jana Liebe, Gestalterin Jonas Vögeli, Gestalter
WEITERFÜHRENDE LINKS Sheila Hicks in der Online-Sammlung des Museum für Gestaltung Zürich
ZUSÄTZLICHE TONSPUREN Jingle und Musik von Giacomo Bastianelli
Transkript anzeigen
00:00:00: Stila Hicks hatte eigentlich wie eine Katze sieben künstliche Leben gehabt.
00:00:04: Sie hat sich immer wieder neu erfunden und ich glaube, der Erfindungsreichtum ist wirklich die Qualität der Arbeit.
00:00:10: So wie ich das verstehe oder sehe, ist das Buch auch wie eine Art Grenzen austesten.
00:00:16: Das Textile – das ist ja nur ein Material!
00:00:19: Die Frage ist was macht man da raus?
00:00:21: Und wie stellt man es dar?
00:00:23: Wie bringt man diese Stofflichkeit?
00:00:27: Schilo nimmt dieses Buch rein.
00:00:41: Willkommen bei Nicht nur Schön!
00:00:43: Den Büchert-Podcaster beim Inhalt anfängt und bei der Gestaltung endet.
00:00:49: Mein Name ist Jonas Wanderlund Und ich bin Laura Breitschmid.
00:01:03: Jonas, willkommen zur neuesten Folge von Nicht Nur Schön!
00:01:06: Wie so oft wollen wir heute über eines der schönsten Schweizer Bücher sprechen?
00:01:11: Du hast eines mitgebracht Hallo Laura, schön sitzen wir wieder zusammen in unserem Studio.
00:01:18: Du hast ja in der letzten Folge über ein Kunst- und Bauprojekt gesprochen, vom Künstler Florian Graf.
00:01:25: Und dieses steht auf einem Pausenplatz in einer Schule hier in Zürich.
00:01:30: Heute wollen wir ein bisschen weitergehen.
00:01:33: Wir wollen ein bisschen um die Welt reisen mit Hilfe dieser Publikation, die ich hier mit dabei habe.
00:01:39: Dann bin ich gespannt wohin diese Reise führen wird.
00:01:42: Also ich fange an mit der Objektbeschreibung.
00:01:44: wie immer dieses Buch ist ungefähr A-Fünf groß, ungefähr drei Zentimeter dick und es ist eine Freirückenbruschur.
00:01:55: Das heißt, es kommt ohne Kovol und ohne Umschlagsmaterial aus und dadurch wird die Technik, die hinter so einem gewunden Buch steckt auch sichtbar.
00:02:05: Dann ist heute vielleicht ein guter Moment, ein bisschen genauer zu erklären wie das mit dem Binden funktioniert.
00:02:10: Kannst du das ganz kurz zusammenfassen?
00:02:13: Ja ich probiere es kurz zu machen.
00:02:15: Es ist ein so elementarer Teil der Buchproduktion, das wir Sie hier eigentlich noch gar nie erwähnt haben.
00:02:21: Also ein Buch wird üblicherweise auf flachen Papierbogen gedruckt im klassischen Offset-Verfahren.
00:02:29: Die Papiere sind entweder fünfzig mal siebzig oder siebzig Mal hundert Zentimeter groß und nach dem Druck werden sie maschinell im Kreuzfalts gefaltet Das heißt immer in der Mitte des Formats solange bis man so nahe dran ist am Endformat wie möglich.
00:02:46: Jeder Bogen ergibt je nach Druckbogengröße und Buchformat dann acht, sechzehn oder dreißig Seiten.
00:02:54: diese gefalteten Bogen werden zusammengetragen und mit Faden zusammengebunden.
00:02:59: in Abständen von circa einem Zentimeter sieht man die als Linien auf dem Rücken.
00:03:04: um das Ganze stabiler zu machen wird der Rücken noch verleimt.
00:03:09: üblicherweise wird zusätzlich noch eine Art Streifen aus Gase darüber gelegt und oben und unten noch ein Kapitelbändchen ergänzt.
00:03:18: Bevor es dann mit dem Cover verklebt wird, entweder davor oder danach wird der Buchblock an drei Kanten geschnitten je nachdem ob das Cover einen Überstand hat oder eben nicht Und in diesem Fall hat es eben keinen Überstand.
00:03:34: Es hat keinen Überstand und es hat auch überhaupt kein Coal.
00:03:38: Hier wurden die Druckbogen gefaltet, dann mit einem blauen und hellblauen Faden gebunden – die sieht man hier hinten auf dem Buchrücken – verleimt und einfach an drei Kanten geschnitten.
00:03:50: Wenn ich jetzt anfange zu blättern in diesem Buch, dann fällt auf dass das ein relativ dickes Papier ist und es ziemlich stark texturiert.
00:04:00: Auf den ersten Hundertseiten sind unkommentierte Ausstellungsansichten zu sehen und nach diesen Hundertzeiten folgen dann sechzehn Seiten auf einem hauchdünnen Papier, bevor wir wieder diesem ursprünglichen Papier zurückkehren das sich danach bis zum Ende des Buches durchzieht.
00:04:18: Nach diesem langen Bildteil folgen vier Kapitel es ist ein Gespräch, dann ein Essay, dann eine transkribiere Ausstellungen mit der Künstlerin und am Ende eine ausgiebige Biografie.
00:04:31: Vielleicht gut zu erwählen ist, dass das Bruch zweisprachig gesetzt ist in deutscher und englischer Sprache.
00:04:38: Jeder Sprache wird eine Schrift zugeteilt, eine Seriflose fürs deutsche und eine Serivenschrift für das englische.
00:04:46: Und je nach Textsorte ist das Layout in ein oder zwei oder drei Spalten gesetzt.
00:04:51: Die Schriftgröße wird jeweils angepasst, aber es fällt auf dass das Buch über die vollen zweihundertsechzig Seiten im Mittelsatz gesetzt ist.
00:05:00: Was bedeutet das?
00:05:01: Wenn man jetzt das Word-Programm aufmacht und anfängt zu tippen dann ist üblicherweise die Schrift links angeschlagen und auf der rechten Seite flattet es.
00:05:11: Und wenn es im Mittel Satz gesetzt verläuft die Achse in der Mitte und es flattet auf beiden Seiten.
00:05:18: So viel zur Typografie, die in diesem Buch relativ prominent auch einen Platz einnimmt.
00:05:24: Wenn ich das Buch schließe lande ich auf dem Backcover und auf diese Rückseite ist ein Klappentext wie üblich diesmal in diesen beiden Schriften, in den beiden Sprachen Und wenn ich das Buch umdrehen, fällt mir auf dass der Titel auf dem Buchrücken zu lesen ist obwohl es eben keinen Cover gibt.
00:05:43: Auf den Kanten der erwähnten Druckbogen sind normalerweise Markierungen angelegt damit die Buchbinder die richtige Reihenfolge einhalten.
00:05:52: in diesem Fall wurden die ansonsten abstrakten technischen Markierungen so angelegt, dass sie ein Schriftbild ergeben und ich merke das sich da tatsächlich ein bisschen an die Grenze der mündlichen Übersetzung komme.
00:06:05: Wer nicht ganz rauskommt bei dieser Beschreibung kann auch bei uns auf dem Instagram-Kanal nachschauen wie es genau aussieht.
00:06:14: Da wird seit neuestem auch immer einen kurzen Clip über das Buch blättern um diese Details zu sehen sind.
00:06:23: Also ich lande nun über diesen Buchrücken.
00:06:26: auf dem Cover und da lese ich schwarz in dieses texturierte Papier geprägt, Sheila A Little Bit Of A Lot of Things Hicks.
00:06:36: Jonas das war jetzt eine detaillierte und für mich so weit verständliche Erklärung – ich kannte natürlich auch immer ein bisschen auf das Buch Schilen.
00:06:44: vielleicht hat mir das geholfen – erzählst du uns noch etwas über Sheila Hicks?
00:06:49: Ja, sehr gerne.
00:06:50: Ich denke das ist ein guter Einstieg in dieses Buch.
00:06:53: Wenn ich auf Seite zweihundertachtundvierzig Blättere schaue ich auf das Portrait einer älteren Dame.
00:07:00: Sie trägt einen roten Pullover darüber ein weites Weinrotes Schiele ganz im Kontrast zu den grünen Pflanzen die sie in diesem Garten oder Innenhof umgeben der da zu sehen ist und ihren hellwachen Blick hält sie auf eine Sache gerichtet, die außerhalb des Bildrahmens steht und sie scheint gerade dabei zu sein etwas Spannendes zu erzählen.
00:07:24: Diese Frau ist Sheila Hicks und sie ist eine amerikanische Künstlerin, die vor zweiundneinzig Jahren in Nebraska auf die Welt gekommen ist.
00:07:33: Dieses Buch ist der Katalog zur Ausstellung A Little Bit of a Lot Of Things ,die im Jahr zwanzig in der Lokremise des Kunstmuseums St.
00:07:42: Gallen stattgefunden hat.
00:07:45: Der Katalog wurde von Gianni Jetzter, dem aktuellen Direktor des Kunstmuseums herausgegeben.
00:07:50: Gestaltet wurde es von Hubertus Design in Zürich und publiziert wurde es beim deutschen Verlag Hatir Kanz.
00:07:57: Es dokumentiert diese Ausstellung gibt aber auch viele Einblicke in die Biografie und die wichtigsten Stationen in der Karriere von Sheila Hicks Und das werde ich jetzt tun.
00:08:09: Wie gesagt wurde Sheila Hiks, im Jahr nineteen vierunddreißig in Nebraska geboren Genauer gesagt in Hastings, das ist eine kleine Stadt im mittleren Westen der USA.
00:08:20: Wenn man es auf einer Karte anschaut, ist es sogar ziemlich genau in den Mitte der Vereinigten Staaten irgendwo zwischen Denver und Chicago.
00:08:30: für die denen etwas sagt Und um Ihrem Zugang zur Kunst zu erklären lese ich gerne eine kurze Passage aus dem Buch vor.
00:08:38: Es ist ein Gespräch der Künstlerin mit dem Kurator Robert Storr.
00:08:43: Ich wurde in den neunzehnten dreißiger Jahren geboren.
00:08:45: Während der Wirtschaftskrise suchte mein Vater nach Arbeit, er packte seine beiden Kinder auf den Rücksitz des Autos und wir fuhren mit unserer Mutter durch die Vereinigten Staaten.
00:08:56: Er arbeitete an verschiedenen Orten und meinen Bruder und ich lebten auf dem Rücksatz.
00:09:02: Wir haben uns beschäftigt indem wir aus dem Fenster schauten Spiele spielten Dinge aufgesammelt haben wo immer wir anhilten und zusammengebastelt haben.
00:09:12: Es war Improvisation und Brickolage, von Stadt zu Stadt.
00:09:16: Und das gibt vielleicht einen Eindruck vom Kontext in den sie geboren wurde... ...und diese Reise von Stadt zur Stadt ging dann auch immer weiter,... ...auch als Sie kein Kind mehr waren.
00:09:27: Also mit zwanzig gingen sie nach New Haven wo sie an der Yale University bildende Kunst studierte.
00:09:33: Das ist eine Stadt etwa zwei Zugstunden von New York City entfernt Und dort besuchte sie unter anderem den Unterricht des deutschen Künstlers Josef Albers.
00:09:43: Vielleicht ein bisschen Kontext?
00:09:45: Josef albers war am legendären Bauhaus ausgebildet worden, u.a.
00:09:50: vom Schweizer Künstler und Kunsttheoretiker Johannes Itten der bekannt ist für seine Farbenlehre.
00:09:57: Albers selbst hatte im Anschluss ebenfalls am Bauhaus unterrichtet bevor die Kunstschule in den neunzehn dreißiger Jahren von den Nationalsozialisten geschlossen wurde.
00:10:07: Große Teile der Belegschaft flogen dann aus Deutschland und Albers Weg führte in die USA.
00:10:14: Zuerst hat er dort unterrichtet am Black Mountain College, bevor er eben an die Yale University in New Haven gewechselt ist.
00:10:23: Jetzt haben wir schon ganz viele Stationen besucht.
00:10:25: Wohin geht es weiter?
00:10:27: Sheila Hicks verbrachte die Jahre nach dem Studium in Lateinamerika zuerst in Santiago de Chile wo sie die Farben leeren von Albus an Architektinnen unterrichtete und später ging es dann weiter nach Mexiko.
00:10:41: Sie reiste allgemein sehr viel durch ganz Lateinamerika, sammelte überall kräftig weitere Objekte aber auch lokale Webtechniken.
00:10:51: Ihr künstlerisches Werk, das damals schon vorwiegend aus textilen Arbeiten besteht, findet bereits Anklang sowohl in Lateinamerika als auch in ihrem Heimatland USA.
00:11:03: Über Umwege landet sie schlussendlich dann in Paris wo sie bis heute lebt und
00:11:08: arbeitet.".
00:11:10: Jetzt hast du schon einiges über die Biografie von Sheila Hicks erzählt und wie kann ich mir ihre Werke vorstellen, die während der Ausstellung in der Locremysien St.
00:11:20: Gallen ausgestellt waren?
00:11:21: Wie gesagt hat sich Sheila Hicks im Laufe ihrer Karriere sehr stark mit Textilen befasst.
00:11:27: Das waren vor allem am Anfang klassische Reformen wie Wandhäppiche, aber mit der Zeit wurde es immer experimenteller und auch skulpturaler.
00:11:36: Ein gutes Beispiel dafür ist das monumentale Somewhere to go Und das ist eine Art große Berg aus Textilballen.
00:11:44: Diese Ballen bestehen aus Textillphasen und haben verschiedene grün-und blaue Töne.
00:11:50: Sie sind zu einem sechs Meter hohen Haufen gestapelt, der spezifisch für diese Ausstellungen in St.
00:11:56: Gallen konzipiert wurde.
00:11:58: und dann gibt es aber auch rundherum viel flacher Werke die wie Bilder an der Wand hängen.
00:12:05: Aber auch die haben immer ein Volumen eine Textur Auch eine Relief.
00:12:10: Es hat also jedes Stück einen minimal skulpturalen Aspekt.
00:12:14: Und vielleicht muss ich auch noch eine Werkgruppe Die sie Minim nennt erwähnen weil sie auch an die Passagerinnerung, die ich vorhin vorgelesen habe.
00:12:24: Das sind kleine gewobene Skizzen in die Sheila Hicks Fundstücke integriert, die sie in ihrer Tasche sammelt – in ihrem Alltag Sachen, die Sie interessieren und faszinieren.
00:12:36: Jedes Season-Minim ist eine Art Tagebucheintrag, womit sie bestimmte Momente oder Personen festhält und diese beinhaltet zum Beispiel Haare oder Muscheln oder Pflanzen.
00:12:47: Und ja, so schließt sich ein bisschen dieser Kreis und wir wären fast wieder am Anfang dieser kleinen Zeitreise.
00:12:54: Jetzt sind wir über die USA, Zentralen Südamerika, Paris nach St.
00:12:58: Gallen gereist.
00:12:59: Vielen Dank für diesen Überblick und den Kontext dieses Buches!
00:13:03: Natürlich haben wir auch da wieder mit Menschen gesprochen, die näher am Projekt dran waren... Genau, wir hatten das Glück, den Kurator Johnny jetzt so für ein Gespräch bei uns zu empfangen.
00:13:13: Er ist seit Jahrzehntzweiundzwanzig Direktor am Kunstmuseum St.
00:13:17: Gallen, die Stadt in der Ostschweiz kannte er aber schon etwas länger.
00:13:22: Zwei-tausend und eins bis zwei-tauendund sechs war er Leiter der Kunstthalle in St.Gallen bevor er über viele Jahre zuerst das Swiss Institute in New York und später auch die Art Unlimited an der Art Basel leitete.
00:13:36: A little bit of a lot things war seine erste Ausstellung in seiner neuen Funktion in St.-Gallen Und es war wirklich eine Freude, mit ihm über die Hintergründe zu dieser Ausstellung zu sprechen.
00:13:55: Wir sprechen über Sheila Hicks.
00:13:57: du hast die Ausstellung mit ihr korratiert und zwar aus Direktor am Kunstmuseum St.
00:14:01: Gallen.
00:14:01: Jan, jetzt so schön bist du heute bei uns!
00:14:03: Ich freue mich über Bücher zu reden.
00:14:06: ich habe eine tiefe Leidenschaft fürs Büchermachen und wir haben ja zwei Medien als Ausstellungsquartoren, wir haben die Ausstellung aber ist sehr flüchtig.
00:14:17: Das ist eine gewisse Zeit lang, lässt sich kaum vollumfänglich dokumentieren und dann haben wir eben Bücher als eine Möglichkeit die Ausstellungen ein bisschen länger am Leben zu erhalten.
00:14:28: Du zeigst einen Textilkünstlerin im Textiler St.
00:14:32: Gallen.
00:14:32: vielleicht kannst du es auch noch ein bisschen erklären wenn man einem Museum übernimmt ist ja nicht vom ersten Tag an das eigene Programm zu sehen.
00:14:40: Sheila Hicks war deine erste Ausstellung Und wie kam es dazu sie zu zeigen?
00:14:46: Ich war ja vierzehn Jahre in New York, bin zwanzigzwanzig zurückgekommen.
00:14:51: Und die Schwierigkeit, glaube ich, war so wie St.
00:14:54: Garland zu verstehen und die Schweizer Museumslautschaft zu verstehen.
00:14:59: Ich hatte ein paar Monate um mein Programm vorzubereiten.
00:15:02: Ich wurde direkter im November zwanzichzwanzundzig und habe zwanzigerjahr im Februar zwei große Ausstellungen eröffnet.
00:15:10: Sheila Hicks war die erste in der Lokomise.
00:15:13: Das heißt, die ganze Planung war eigentlich auf Speed.
00:15:18: Es ging gar nicht anders und es war zu verdanken meiner neuen Freundschaft mit Sheila Hicks, also dass wir uns so gut verstanden haben.
00:15:27: Und das hat sich von Nadia toll... Die Lokomise hat natürlich eine Rolle gespielt.
00:15:32: Ich meine, es ist ein außergewöhnlicher Ort.
00:15:35: Er ist extrem schwergräumlich.
00:15:37: Also er ist schon mal rund und er hat verschiedene Einbauten die ihn eigentlich abrutschen lassen.
00:15:44: Diese Drehbewegung ist sehr stark, die nimmt man bar und da muss man etwas dagegen tun als Künstlerin oder als Koartum.
00:15:51: Ich glaube Schiller Hicks war wirklich interessiert damit zu tun diese Herausforderungen anzunehmen Und dank ihrer Begeisterung konnten wir diese Ausstellung machen.
00:16:03: Es war eine sehr schwierige Zeit zu beginnen in St.
00:16:05: Gallen.
00:16:06: es gab keine Ausstellungsprogramm auf drei Jahre hinaus Sondern uns gab es viele Löcher, die es zu stopfen galt.
00:16:13: Und wir hatten große Finanzielleprobleme – also ich habe mit einem großen Defizit angefangen.
00:16:19: Sheila Hicks hat gesagt, ja das ist kein Problem und so, wir kriegen diese Arbeiten schon!
00:16:23: Ich hab noch viel erarbeiten und wie bringen sie?
00:16:26: Und es waren glaube ich zuerst forty-seven Arbeiten auf der Werkliste Und dann hat eine aufgelöste Transporteur angerufen und gesagt, sie will unbedingt noch mal neunzehn Arbeiten mehr in den Lastwagen tun.
00:16:39: Und die sind ja gar nicht auf der Werkliste.
00:16:41: und was sollen wir tun überhaupt?
00:16:43: Dann haben sie gesagt, es geht schon irgendwie auf!
00:16:48: Und so kam diese wertvolle Ladung an.
00:16:53: Und das war eigentlich, glaube ich, die Voraussetzung für diese Ausstellung.
00:16:57: Der Titel ist ja ironisch unterminierend ein Dich A Little Bit of a Lot Of Things als eigentlich eine explodierte Retrospektive.
00:17:07: Sind Kunstwerke, glaube auch, sechs Jahrzehnten drin?
00:17:10: Ich glaube es waren neben sixty-sechzig Kunstwerk in der Ausstellung.
00:17:13: Man könnte jetzt sagen Es war auch ein ziemlich schlauer Move weil sie mit ihrer textilen Arbeit ja doch auch viele Verbindungen zum Ort St.
00:17:21: Gallen schafft und In Paris leben, das gab mal diesen TGV aus St.
00:17:25: Gallem nach Paris – du hast eigentlich eine offene Tür eingetreten was wahrscheinlich die Thematik angeht?
00:17:33: Es gibt sicher diese Textilaffinität natürlich!
00:17:37: Ich meine es ist absolut außerordentlich dass eine Stadt über sieben Jahrhunderte hinweg von einer Leitindustrie oder zuerst einem Handwerk und dann eine Industrie geprägt wurde Und ich glaube, die Sangales sind natürlich auf jeden Fall Textilexpertinnen.
00:17:54: Das ist sicher so!
00:17:56: Aber ich denke es ist auch mehr.
00:17:58: Ich glaube wir sind zu Bildschirmmenschen verkommen und ich glaube diese Daktilität dieser Arbeit ist etwas das hochwillkommensist.
00:18:07: Uns graben natürlich auch sehr viele Leute, die halt eine Verbindung zur Craftiness haben und es hat diese Schnittstelle bedient von Arts and Crafts.
00:18:17: Sheila Hicks hat ja verschiedene Präsenzen in der Schweiz.
00:18:20: Die erste Ausstellung war im Kunstgewerbemuseum in Zürich, also Handwerk verortet.
00:18:27: Dann die zweite Ausstellung in Lausanne war die Trennel de l'Etappeschi.
00:18:31: Ihre Werte gaben das viel zu reden, weil es eben nicht nur klassisches traditionelles Textilhandwerk verwendet wurde.
00:18:38: Da gab es dann auch diese Brüche hin zur mir zeitgenössischen Kunst und zur Konzeptkunst in St.
00:18:43: Gallen, dass man eigentlich zeigt es gibt das Craftiness aber es ist eben auch hundprozentzeignische Kunst und Elevant in diesem Kontext.
00:18:52: Funktioniert diese Analogie?
00:18:53: Dass man sagt die drei Ausstellungen sind auch ein bisschen die Veränderung und Interessen der Künstlerinnen.
00:18:59: Ich habe halt in meinem Esssee diese drei Ausstellung als Angelpunkte benutzt weil es ein bisschen Schweizer Kunstgeschichte Schiller-Hicks ist und natürlich exemplarisch sehr vieles aufzeigt.
00:19:12: Ich sage immer, Sheila Hicks hat eigentlich wie eine Katze sieben künstlische Leben gehabt.
00:19:17: Sie hat sich immer wieder neu erfunden.
00:19:19: Also er hat ja begonnen eben eigentlich als Textilkünstlerin aber auch ein großes Interesse für Architektur gehabt.
00:19:28: Als sie war, hat die Yale studiert.
00:19:30: das war eine ziemliche Zufahrt und es hat sich beworben zusammen mit einer Kollegin, sie war ja mehr in einer ländlichen Uni am Studieren.
00:19:39: Diese Kollegin hat sich tragischerweise umgebracht und sie ist dann aufgenommen worden im Yale Schiller-Hicks und ist dann alleine nach Yale gegangen.
00:19:48: Und das war natürlich exzellent weil durch den Faschismus in Deutschland sind natürlich sehr viele Bauhausmeister nach Amerika emigriert und es hat einen großen Wissenssansfer stattgefunden.
00:20:01: Und Yale waren natürlich auch davon betroffen.
00:20:03: Unter anderem war das natürlich Josef Albus, jetzt im Fall von Schila Hicks.
00:20:09: Der ein sehr wichtiger Lehrmeister wurde und auch hat es einen Kontakt gehabt mit Anni Albus.
00:20:16: Und da dachte ich wie gesehen, Anni Albus durfte ja nie Künstlerin sein sondern ist wie in Kunsthahnwerk stecken geblieben wenn man so will ob schon sie eine große Kreativität an den Tag gelegt hat und ihr Arbeit absolut einen künstlichen Wert hat.
00:20:32: Aber damals war es ganz klar, eine Frau konnte nicht künstlich sein aus verschiedenen Gründen.
00:20:37: Und ich will die hier auch nicht aufführen.
00:20:40: Ich finde diese Gründe natürlich lächerlich als heutiger Perspektive.
00:20:44: aber da war es so.
00:20:46: Von Sheila Hicks.
00:20:47: was verrückt ist einfach dieses Unternehmertum im Geiste.
00:20:52: Sie studiert in Yale, Albers ist interessiert dass seine Farben leh ... auf der ganzen Welt gelehrt wird und er schickt sie nach Chile mit einem Lehrauftrag in der Tasche ab.
00:21:02: Sie weiß das eigentlich gar nicht, und sie kriegt ein Fulbright-Stipendium um dorthin zu reisen und sie beschließt euch das Geld aufzusplitten und dass ihr eigentlich auf dem Landweg den ganzen Südamerikanischen Kontinent runterreist bis nach Chile.
00:21:19: Und sie sieht natürlich unheimlich viel in dieser Zeit und sie wird mit prekolumbianischer Kultur konfrontiert Und sie landet dann am Schluss wirklich in Chile, unterrichtet dann auch und verliebt sich.
00:21:34: Und bleibt mal in Chile erlebt eigentlich eine ganz neue Kultur, lernt ganz neue Menschen kennen.
00:21:41: Das ist die große Stärke von Sheila Hicks, dass sie diese Offenheit hat.
00:21:45: Sie akzeptiert keine Grenzen was man als Frau zu tun oder zu lassen hat.
00:21:51: Und sie ist unternehmlich sehr geschickt.
00:21:55: Sie ist künstlich kreativ, sehr begabt.
00:21:58: Und das sind die erste Grundsteine.
00:22:00: Aber sie geht nach Paris und sagt ihr ... muss in Paris sein, das ist immer noch die Stadt wo die Künstlerinnen hin müssen und sie wird aber dann schwanger.
00:22:10: Sie war vorher noch in Mexiko, hat dort eine Liebeshafe gehabt und muss dann schwange zugehen nach Mexiko und lebt mit ihrem Partner dort als Bienenzüchter im Guerrero auf dem Lande und wird natürlich dort noch viel mehr exponiert mit diesen Wehbereien eigentlich mit diesem indigenen Wissen, mit diesen indigenten Traditionen.
00:22:33: Das ist das verrückte Gepäck, was sie hat als junge Künstlerin.
00:22:38: Sie hatte eineseits diese Bauhausphilosophie und das Wissen des Gesamtkunstwerks, das im Bauhaus propagiert wurde und andererseits hat sie all diese Reiseerfahrungen und diese Beziehung zu... Meistens waren es Mitarbeiter in der Plantagen die sie dann unterstützt haben Und das war mal so ein bisschen die Basis.
00:23:00: Es hat sich dann immer wieder neu erfunden, auch weil zum Beispiel sie begonnen hat Kunst zu machen aber sie wurde eigentlich aus Künstlinien nicht akzeptiert.
00:23:11: Sie ging dazu Florence Noll in New York um ihr Stoffe zu präsentieren und da hat Florence Nolls ihr Jacke bewundert und hat sich gefragt, woher ist dieser Stoff?
00:23:24: Hat sie gesagt.
00:23:24: Dann habe ich es selber gewoben.
00:23:26: Das ist eigentlich auf der Basis von einem Inka-Stoff.
00:23:29: Und so kamen sie ins Gesprächs und da hat sie eine Stoffkollektion für Null entwickelt.
00:23:35: über Null und überbezieren in Mexiko.
00:23:38: Da kam sie nach Hans-Moma und Alfred Barr, der damalige Gründungssektor war super offen.
00:23:43: Er hat gesagt ja ist genial kannst du das nicht größer machen diese Weber rein dass es so ausschaut wie ein Tafelbild.
00:23:50: und das hat sich dann gemacht.
00:23:51: Und dann wurde sie schon sehr früh vom MoMA angekauft.
00:23:55: Dann gab's auch eine Ausstellung die Direktorin von dem Kunstgewerbemuseum gesehen hat in New York und sie hat da neidlich glaube ich drei Künstlerinnen von den ursprünglichen sechs hat sie eingeladen nach Zürich ins Kunstgewerbmuseum.
00:24:10: Es war noch zu früh, um wirklich Künstin zu sein das dann in den Siebzigerjahren passiert war mit der Einladung für Städtelik Museum wo eigentlich so die erste Adlung stattfand ob schon das Städttelik-Museum ja auch eine Designsammlung hat.
00:24:24: also es ist auch eines dieser Museen wie auch das MoMA dass eigentlich verschiedene Standbeine hat.
00:24:30: aber sie hat sich so schrittweise etabliert.
00:24:33: in den siebzig Jahren auch viele Aufträge von Architekten.
00:24:37: Es gab halt viele neue Firmensitze und da brachte man Kunst am Bau.
00:24:42: Und die Textilekunst natürlich supergut, weil sie auch noch akustisch diese Räume besänftigt und von dem her eigentlich zwei Fliegen auf einen Schreich schlägt.
00:24:52: Das war dann wieder meine neue Phase als dieser großen Aufdeck im Bau.
00:24:57: In den letzten zehn, fünfzehn Jahren erst wurde sich dann wirklich als Großmeisterin gefeiert und hat dann endlich diese Ausstellung bekommen, die sie eigentlich schon immer verdient gehabt hat.
00:25:10: Wenn ich dir zuhöre und du diese sieben künstlerischen Leben erzählst und man sich jetzt über die ganze Biografie hin als Textilkünstlerin beschreiben würde, dann ist der Begriff oder die Bedeutung von Textil verändert sich ja... In diesem Sinne auch also vielleicht vom wirklich handwerklichen, vom Wissen.
00:25:28: Vom auch Indigenenwissen dass sie erlernt und schätzt und verarbeitet bis hin zu der Performance die dann auch bei euch stattfand wo es dann auch stark um Soziales oder Zwischenmenschliches geht dieses sehr breite Verständnis von Textil oder Gewebtem wie würdest du das beschreiben?
00:25:47: Ich glaube der entscheidende Punkt ist wirklich die postmoderne weil die Postmoderne hat eigentlich die Gattungen aufgelöst und es macht wie keinen Sinn mehr zu sagen, ja das ist Textilkunst.
00:25:59: Und das ist Hochkunst was die Postmodelle hat genau das geleistet dass sie eigentlich high and low aufgelöszt hat und das alles sein kann.
00:26:09: ich habe in einer Gegenwartskunst wo man etwas über ein readymade transportieren kann also wenn man diesen Begriff von Marcel Lüschung aufnimmt der ja einen Urinal auf den Rücken gestellt hat und dies zum Kunstobjekt erklärt hat.
00:26:24: Das heißt, alles kann zum Vehikeln werden – zur Kommunikation und zum Kunstmachen!
00:26:30: Man muss es nur richtig aufladen mit der richtigen Information.
00:26:34: Und daher macht das auch keinen Sinn mehr zu sagen Ja nein, das ist Textilkunst und das ist Hochkunst.
00:26:40: Ich habe letztendlich Schiller Hicks auf diesen Moment warten müssen um was Künstchen wirklich ernst genommen zu werden.
00:26:47: Ich denke daher, das Textile ist ja nur ein Material.
00:26:51: Die Frage ist was macht man da raus und wie stellt man es dar?
00:26:55: Und ich glaube der Erfindungsreichtum von Schiller-Hicks ist wirklich die Qualität der Arbeit.
00:27:01: Eigentlich diese Metamorphosen, dass sich immer alles weiter wandelt.
00:27:06: also einerseits ihre eigenen Arbeiten zum Beispiel hat sie bei Bienel de la Episcine Losanen, Blusen von Krankenschwestern recykliert, sondern natürlich im Kontext der Tapissivienale ein Skandal.
00:27:21: Weil man fand so wo ist das Kunsthandwerk und was soll das überhaupt?
00:27:25: Alte Blusens.
00:27:26: Aber sie hat halt wirklich wie eine Konzept-Künste nachgearbeitet.
00:27:31: also der eine Teil waren diese Blusene, der andere Teil war wunderschöne Leinstoffe die bestickt waren.
00:27:39: Das größte Leinen-Webstuhl der Welt war das in Frankreich.
00:27:43: Es hat eigentlich wie diese zwei Pole zusammengebracht, aus einerseits die Hochkunst der Weberei und dann aber auch ein konzeptueller Zugang zu Textilien, nämlich die Arbeitsblussen von Krankenschwestern, die ausgescheuert sind.
00:28:00: Und es war kein erfolgenem Sinn, es wurde sehr kritisiert und einmal mehr was der Direktor des Stelleligmuseums der für sie eingestanden ist, die in der Jury war.
00:28:10: Und sie hat diese Blusen dann aber wiederverwendet.
00:28:13: Sie hat sie zerrissen zu Stofffetzen und hat sie eingefärbt und hat diese Fetzen aufgetürmt, wie so Konfetti-Berge sieht es ein bisschen aus und hat eine neue Arbeit entwickelt.
00:28:27: Das finde ich das Spannende!
00:28:29: Es bringt Vorstellungsinhalte, die weit weg sind von traditioneller Textilkunst in dem Sinne.
00:28:36: Und auch in gewissen Arbeiten ist zum Beispiel diese indigene Tradition spürbar, vor allem in früheren Arbeiten.
00:28:43: aber sie hat sich auch sehr stark von diesen gelöst und es ist einfach eine Farbe in ihrer Klaviatur von diesem Vokabular.
00:28:51: Ich habe das Vokalbular ist auch ein wichtiges Stichwort.
00:28:54: Sie hat eine unglaubliche Wandbreite entwickelt von verschiedenen Familien der Arbeiten die sie immer weiter verfolgt und weiterentwickelt.
00:29:03: Diese Reichtum ist ja auch im Buch widerspiegelt, denke ich.
00:29:07: Es ist nicht ein klassischer Ausstellungskatalog der sich einfach damit zufrieden gibt alle Werke einmal zu katalogisieren die da zu sehen sind.
00:29:17: War das von Anfang an die Absicht als ihr dieses Buch im Kopf hattet?
00:29:21: Oder kam dann so viel dazu dass man am Schluss gesagt hat Das muss alles irgendwie da rein oder wir müssten dann wissen über den Katalog hinweg denken auch wir als Bücher machen.
00:29:34: Also dieses Buch ist eigentlich von der Planung und den Ressourcen her, es ist absolute wunderschöne Verschwendung.
00:29:44: also wir haben unglaublich viel Zeit investiert Wir sind ein paar Ehrwege gegangen Und das Wichtigste war wirklich diese Ausstellung zu verävigen dass man immer noch an Bücher glaubt und wirklich Bücher macht, die gut altern.
00:30:03: Es gab auch sehr lange keine Kataloge mit einer gescheiten Biografie.
00:30:08: Und ich glaube teilweise hat sich Sheila Hicks wie Achamisen geziert das alles offen zu legen.
00:30:16: Das war natürlich ein bisschen ein Service, dass sie jetzt so eine Biographie gibt, die relativ vollständig ist überblicken kann.
00:30:28: Wenn wir kurz zu deinem Text zurückkommen, da gab es ein Fund im Archiv des Museums für Gestaltung von so Tafeln zu Sheila Hicks.
00:30:39: Jana Liebe hat die aufgetrieben bei einer Recherche und die waren bis anhin unpubliziert.
00:30:45: War das eine besondere Reiz, die dazu besprechen?
00:30:49: Also sie sind publiziert aber nur online.
00:30:52: Und muss sagen, ich meine das ist auch ein Riesenvorteil von Online-Sammlungen und da ist natürlich das Museum für Gestaltung vorbildlich und führend.
00:31:03: Sie haben einen großen Bestand schon online gestellt und arbeiten weit hintran – das sind ja hunderttausende von Errexponaten!
00:31:11: Das Geniale ist dass man einfach suchen kann unter Sheila Hicks und dann alles findet.
00:31:16: also man findet auch Fotodokumentation der Ausstellung im Museum für Gestaltung in den sechziger Jahren.
00:31:23: Man findet das Plakat und man findet diese Bildtafen, die es noch schwer zu sagen ob sie Teil der Ausstellung waren oder ob das so didaktisches Material war, aber höchstwahrscheinlich was Teil der ausstellungen weil ja dieser Abzüge von Sheila Hicks geliefert wurden, offensichtlich.
00:31:46: Und ich kann mir jetzt nicht vorstellen dass sie das geschickt hat als Bewerbungsunterlagen sondern höchstwahrscheinlich waren das wirklich Exponate und daher auch diese Schreibmaschinenschrift also quasi wie Präsentationstafeln innerhalb der Ausstellung da sieht man ja eben diese Farmarbeiter in Guerrero Wie Sie an diesen improvisierten Webstühlen arbeiten.
00:32:11: Ich finde solche Tafeln einfach sehr Herr Reitzfall, also erstens mal sind die Fotografieren wirklich hervorragend.
00:32:19: Der Fotografelehrer von Sheila Hicks in Yale war Herbert Mater aus der wichtigen Schweizer Fotograf und Werber.
00:32:27: Und ich finde es auch spannend einfach das Taktile zu übersetzen.
00:32:33: Es sind auch wieder zwei Fliegen auf einen Streich für eineseits ins großartige Fotos und andererseits ins grossartige Zeitdokumente Die zeigen, wie auch Ausstände gemacht wurden damals.
00:32:46: Und daher fand ich es so spannend zu zeigen hey Schiller Higgs hat da eine Ausstellungsgeschichte und ich glaube das ist auch unsere Aufgabe als Museum dass wir die lokale Kunstgeschichte ins Bewusstsein drücken nicht sagen immer Ich will kein Museum wie ein selekter Automat wo überall die gleichen Produkte angeboten werden.
00:33:08: Wir müssen die Dinge rausschälen die einzigartig sind für St.
00:33:12: Gallen und ich glaube, je mehr Anknüpfungspunkte da sind, umso spannender wird das.
00:33:17: Und hier was hat die Schweizer Rezeptionsgeschichte von Schila Higgs?
00:33:22: Welche Rolle übernimmt dann das Buch in diesem Kontext?
00:33:25: Da gibt es ja unterschiedliche Zugänge.
00:33:27: Früher hat man zu allem ein Buch gemacht heute ist man da ein bisschen selektiver.
00:33:31: auch aus Ressourcengründen aber auch kuratorisch kann man da ja der politische.
00:33:35: gibt es da weitere Argumente?
00:33:37: also Wenn wir das noch mal aufs St.
00:33:39: Gallen zurückmünzen, St.Galen ist eine Buchstadt.
00:33:43: Die Stiftsbibliothek ist eigentlich dieser skulturelle Zentrum dieser Stadt.
00:33:48: Die ganze Stadt ist uns kloser um entstanden.
00:33:52: St.gallen ist eine Kleinstadt am Rande der Schweiz, am Ostrand der Schweiz.
00:33:58: die Bahn nach München ist immer verspätet.
00:34:02: was dieses Tor nach Europa ist nicht so offen wie zum Beispiel Basel Und für uns ist eine Möglichkeit, einfach Wissen zu bündeln.
00:34:13: Dinge zu bünden die wir gemacht haben aber auch die Vermittlung zu erleichtern.
00:34:18: also ich glaube es ist das kundenfreundlichste Sheila Hicks Buch dass bisher erschienen ist und ich glaube das ist mir auch wichtig.
00:34:28: Es war relativ anstrengend mich einzulesen mit der bestehenden Literatur.
00:34:33: Es brauchte viel Zeit und ich habe mir dann die Zeit nehmen können, aber ich will den Wunsch ein Buch auszugeben dass das Werk von Sheila Hicks eigentlich ein bisschen auf dem Silber-Tablet präsentiert, dass man auch an die Lesen denkt und sich einfach wie überlegt.
00:34:52: Wie können wir ein Buch machen, das auch erfolgreich ist?
00:34:55: Ich sage immer, ein gutes Buch ist ein vergebenes Buch.
00:34:59: Ich habe mich wichtig in Anspruch, dass Büchungen vergiffen sind und es natürlich unrealistisch ist aber es ist eine Stoßrichtung.
00:35:06: Du hast vorhin von diesen Online-Archiven die Aufzugänge geschaffen, gesprochen.
00:35:12: Das Buch was wir hier auf dem Tisch haben ist etwas ganz anderes, so ein taktiles Medium Gerade bei Hicks besonders wichtig, dass man da etwas hat, das man spürt.
00:35:25: Superwichtig!
00:35:26: Aber ich finde ja... Ich finde die Buchkunst ist so etwas Spannendes und wie ich eingangs gesagt habe, also wir sind halt Menschen mit verschiedenen Sinnen Und wir verarmen schon ein bisschen mit unserem Bildschirm Blick.
00:35:40: Durch diesen Screen schauen wir uns die Welt an und ich glaube sein Buch zeigt ja was die Buchkunste ausmacht.
00:35:48: Jetzt hast du von der Buchkunst gesprochen und vielleicht denkst du auch schon am Morgen früh, und dann auch spät abends noch darüber nach welches Buch du noch machen möchtest.
00:35:57: Gibt es so ein Traumprojekt das dir vorschwebt?
00:36:01: Ja da gibt es viele.
00:36:02: Ich glaube sein Buch, das ich noch gerne machen würde wäre Perfektion.
00:36:07: Und zwar vielleicht mit unrealisierten Projekten oder mit Dingen die gar nicht möglich sind und dass man einfach dieses Zelt aufspannt und diese das unmögliche dokumentiert.
00:36:20: Ich habe drei Ausstellungen gemacht zu Lehre, die Künstler eigentlich Lehre instrumentalisieren und benutzen als Vehikel in ihrer Kunst.
00:36:30: Und das fand ich immer besonders befriedigend weil die Lehre bleibt auch immer ein tolles Projektionsfeld für die eigenen Gedanken, für die eigene Imagination.
00:36:41: Das ist vielleicht das Stichwort, die Imagination im Kontext vom Bücher machen das extrem befriedigende ist.
00:36:59: Jan jetzt hat uns in diesem Gespräch davon erzählt, wie Sheila Hicks eigentlich durch ihr Leben ging und vieles aufsammelt, Erfahrungen Begegnungen Techniken wissen und wie das zum Fundament ihrer künstlerischen Praxis wurde.
00:37:14: Und ich finde so spannend das.
00:37:16: Rückblickend sieht es aus wie logische Schritte die aufeinander folgen.
00:37:20: wenn man aber denkt du hast gesagt sie ist Das waren andere Zeiten und Umstände.
00:37:27: Und dass sie eigentlich jede Entscheidung, die es traf auch gegen Konventionen ankämpfen musste, das nichts vorgegeben war, das nicht logisch in dieser Entwicklung war – diese Biografie vielleicht auch ein bisschen beispielhaft sein kann für Biographien von Künstlerinnen bei denen eben der Widerstand auch ein großer Teil war und den man aus der heutigen Perspektive auch mal vergessen oder unterschätzen kann Ja, das stimmt.
00:37:52: Mir ist vom Gespräch auch diese Begegnung mit Annie Albus der Frau von Josef Albus in Erinnerung geblieben.
00:38:01: Es wirkt wie eine Art Spiegel, in den Sheila Hicks vielleicht geschaut hat am Anfang ihrer Karriere oder am Ende ihres Studiums.
00:38:09: Da muss man sicher noch anfügen es ist ein Vorteil vielleicht von Sheila Hix dass sie noch lebt und nochmal anders wahrgenommen werden kann Kunstausstellungen gezeigt und ist diesen Weg gegangen, aber halt nicht mehr zu Lebzeiten.
00:38:27: Ja und diese starke Persönlichkeit von Sheila Hicks die kommt in all diesen Texten im Buch gut zur Geltung finde ich.
00:38:35: also diese Person ist gut zu spüren wenn man das so sagen kann vielleicht auch weil zwei dieser Texte transkribierte Gespräche sind und da kommt auch diese direkte Rede zum Zug ein bisschen erahnen.
00:38:52: Der Charakter von Sheila Hicks hat vielleicht auch zur Form des Buches beigetragen, das wir heute besprechen und nachdem wir jetzt mit Jan Jetz gesprochen haben möchten wir natürlich auch noch herausfinden wie diese Inhalte die Gestalt eines Buches angenommen haben.
00:39:06: Genau dafür haben wir die Grafikerinnen Jana Liebe und Jonas Vögeli getroffen, die für die Gestaltung des Katalogs zuständig waren.
00:39:15: Jonas Vögeli ist Gründer von Hubertus Design hier in Zürich.
00:39:19: Er führt dieses Büro mit Kerstin Landis und beschäftigt mittlerweile auch noch andere Designer.
00:39:26: Parallel zu dieser Tätigkeit leitet er seit über zehn Jahren den Studiengang Visuelle Kommunikation an der Zürcher Hochschule der Künste, und in naher Zukunft wird er auch eine Rolle spielen im Verlag Lars Müllup Publishers – aber dazu vielleicht später mehr!
00:39:44: Jana Liebe hat an der Zürich Hochschule der Künste und an der Riedfeldakademie in Amsterdam Grafik studiert.
00:39:51: Nach ihrem Bachelor war sie eine Zeit lang hier in Züricht tätig, unter anderem bei Hubertus Design wo auch dieses Buch entstanden ist das wir heute besprechen.
00:40:01: Aktuell ist Jana wieder in den Niederlanden, wo sie ein Masterstudium an der Werkplatztypografie in Angriff genommen hat.
00:40:09: Zum Glück war sie gerade zu Besuch in Zürich und so konnten wir die beiden zusammen in unserem Studio in Empfang nehmen.
00:40:22: Wir fangen mit einer Frage an, die ein bisschen weiter weg ist vom Wucht, in das wir heute eintauchen werden Und zwar sprechen wir ja oft über die schönsten Schweizer Bücher.
00:40:33: Ihr habt in eurer Biografie bei Beide auch schon eine Auszeichnung bekommen, die goldenen Letter.
00:40:38: Die Auszeichnung für das sogenannt schönste Buch der Welt vergeben von der Stiftung Buchkunst in Leipzig und ihr habt das Unabhängig voneinanderbekommen, im Jahr zwei tausendundachtundvierundzwanzig.
00:40:49: Dazu die Frage vielleicht was braucht es damit ein Buchprojekt gelingt?
00:40:54: Es braucht gute Partner, gute Zusammenarbeiten, Dialog meiner Meinung nach und Vertrauen bis zu einem gewissen Punkt.
00:41:03: Gute Inhalte auch, also Reibungsfläche oder Ausdauer?
00:41:10: Oder vielleicht auch Hardneckigkeit?
00:41:14: Aber ich würde schon unterscheiden zwischen guter Buchprojekte oder Prozesse und gute Bücher.
00:41:21: Das muss meiner Meinung nach nicht unbedingt zusammenhängen.
00:41:24: Und ob ein Buchprojekt gelingt, muss nicht gleichgesetzt sein mit der goldenen Letter.
00:41:31: Das ist ja ein Preis, der wird durch verschiedene Gremien bestimmt.
00:41:35: Teilweise demokratisch, teilweise dialogisch und muss in diesem Sinne nicht unbedingt hinkt mit einem guten Buchprojekt oder einem guten Prozess im Bezug auf Buchgestaltung zusammenhängen.
00:41:51: Ich glaube ich sehe es sehr ähnlich.
00:41:53: Ein gutes Buchprojekte ist nicht unbedingt gebunden an diese Preise... Für mich persönlich ist auch ein gutes Buchprojekt dieses Vertrauen auf allen Ebenen und an allen Stellen, also jetzt zwischen Designerin, dem Editing aber dann auch in der Produktion.
00:42:10: Und das ist gar nicht so einfach weil es sind so viele Punkte die zusammenfließen, die man einfach auch nicht immer kontrollieren kann.
00:42:18: In diesem Vertrauen kann auch sehr viel Kritik angebracht werden und es kann in diesen Vertrauen eine spannende Gespräche geführt werden vielleicht das Design in Frage stellen.
00:42:28: Ich glaube, dass Vertrauen beinhaltet diese intensive Auseinandersetzung und diese Kritik die dann vielleicht auch reibt oder die vielleicht auch schwierig ist im Prozess kann dann sehr befruchtend sein für ein Projekt.
00:42:42: Ja auseinandersetzung oder Reibungsfläche im produktiven konstruktiven Sinne gibt es doch sehr oft.
00:42:50: interessant ist finde ich auch, sich das Verhältnis gegenüber dem Buch und dem Inhalt, und vielleicht auch dem Team welches ein Buch gearbeitet hat über die Zeit verändert.
00:43:02: Es kann also durchaus sein dass wenn das Buch dann draußen ist man es erstmal nicht mehr so gerne hat oder nicht mehr sehen kann und dann aber über die zeit wieder Lied gewinnt.
00:43:18: So diese Langlebigkeit und eben auch wie sich das Verhältnis zu einem Buch dann verändern kann.
00:43:26: Ja, ich glaube das ist ein guter Übergang zu diesem Buch Sheila Hicks A Little Bit of a Lot Of Things über das wir heute vor allem sprechen wollen.
00:43:37: Es ist eine Ausstellungskatalog zu einer Ausstellung in der Lockrevise in St.
00:43:42: Gallen.
00:43:43: Die hat zwanzig-dreiundzwanzig stattgefunden.
00:43:46: Das Buch kam zwei Jahre später raus.
00:43:49: Wie ist das Buch zu euch ins Studio gekommen?
00:43:53: bzw.
00:43:54: zu Hubertus und wann seid ihr eingestiegen, wie weit war das Projekt schon als ihr das auf dem Tisch hattet?
00:44:01: Ja die Anfrage kam über Johnny Jetzer der die Ausstellung verantwortet hat und ich oder Hubertuss hat auch schon das öfter mit Johnny jetzt zusammengearbeitet für andere Buchprojekte.
00:44:15: Zwei Jahre nach der Ausstellung wurde es veröffentlicht.
00:44:19: Wann seid ihr eingestiegen oder warum gab es diese Verzögerung?
00:44:22: Wir haben einfach lange daran gearbeitet.
00:44:25: Auf jeden Fall war ziemlich schnell klar, dass das nicht zur Ausstellung erscheinen muss oder auch nicht auf die Finisage der Ausstellung.
00:44:34: Das hat extrem Druck weggenommen und dann gab es natürlich auch viele Wendungen.
00:44:39: da muss Jana vielleicht auch ein bisschen erzählen weil du ja doch sehr intensiv daran geararbeitet hast.
00:44:47: Wir blieb deine Recherche so in Erinnerung.
00:44:50: Eine extrem breit angelegte, tiefe engagierte Recherchen die einzigartig ist für ein solches Projekt.
00:44:59: wenn man sagen will das ist ein Ausstellungskatalog würde ich sagen dass es eben nicht geht über diesen Typus des Katalogs hinaus.
00:45:09: vielleicht sagst du da besser was dazu.
00:45:12: So wie ich das zu dieser Zeit verstanden habe war es auch ein Anliegen von Johnny nicht nur ein Ausstellungskatalog wird, vielleicht auch weil die Ausstellung zu diesem Zeitpunkt bereits vorbei war.
00:45:23: Also dass es eigentlich ein Buch wird das auch für sich alleine steht und ich glaube es war schon auch das Ziel, dass es nicht nur eine einfache Dokumentation ist.
00:45:33: aber ich glaube das kann auch ein Ausstellungskatalog grundsätzlich immer hinterfragen.
00:45:38: Es hat halt auch viele Abbildungen, die halt nicht an St.
00:45:42: Gallen oder die Ausstellungen gebunden sind, auch ganz tolle Abbildung wie ich finde, oder dann einen ganzen Teil über eine Arbeit von Sheila die selbst Johnny nicht kannte.
00:45:54: Die Jana nämlich entdeckt hat im Archiv des Museums für Gestaltung und so hat sich das eigentlich entwickelt, gewobern oder wurde neu verwoben.
00:46:05: Und habt ihr mit der Künstlerin selber auch darüber gesprochen?
00:46:08: Oder seid ihr zeitlich versetzt dazu gekommen?
00:46:11: Wir haben mit ihrer Zoom-Case gehackt Und das war wirklich eine ganz tolle Erfahrung, also wahnsinnig herzlich warm positiv begeistert über unsere Entwürfe.
00:46:26: Ja was macht man dann mit einem Buch über Sheila?
00:46:30: Was hat das für eine physische Präsenz?
00:46:33: oder wie startet man das aus und wie bringt man diese Stofflichkeit oder eben auch Sheila in dieses Buch rein?
00:46:43: Das war schon eine wahnsinnig tolle Erfahrung.
00:46:47: Am Anfang ist es ein ziemlich ausgiebiger Foto-Teil, wo man quasi komplett durch diese zirkuläre Ausstellungsräume einmal geht also über hundert Seiten und dann gibt's eben auch diesen letzten Teil, das ist eine Verschriftlichung dieser Masterclass, wo Publikum ist und es eigentlich gesprochene Sprache, die aber dann im Text wiedergegeben wird.
00:47:11: Und dann durch Showsen, durch Videostills... ...und das hat eben diesen filmischen Moment, diesen Live-Moment kam das vom Material was ihr hattet.
00:47:22: Das Material war eigentlich zu dieser Zeit bereits da.
00:47:25: Es fahrt von uns eine Reaktion auf dieses und ich glaube gerade beim Ausstellungsrunkang war es uns wichtig, dass man sich fühlt als wäre man im Raum und also gehe man selbst durch diesen Raum gerade auch weil die Ausstellung bereits vorbei war.
00:47:40: Und das ist den Moment von diesem Durchgang eigentlich physisch nicht mehr gibt.
00:47:45: Das filmische Material hinten, also die Filmstils, das war eigentlich auch etwas was bereits existiert hat, also nicht in dieser Art.
00:47:52: Es war ein Video, das wir dann in verschiedenen Arten versucht haben in diesen Text einzubeben um diese Präsenz vielleicht von Skiland auch die Art und Weise, wie sie sich bewegt.
00:48:04: Wie sie interagiert mit den Leuten und ihren Objekten.
00:48:08: Die sie zum Teil in die Hände nehmt, anfasst.
00:48:11: etwas zeigt, dass das auch spürbar wird.
00:48:15: Ganz am Anfang gab es an unterschiedlichen Stellen noch viel mehr Verflechtungen wo es auch noch kleinere Figurchen gab.
00:48:23: Von Freinstellen oder?
00:48:27: kleines Theaterstück versucht zu spielen oder zu inszenieren und die Bildelemente waren in dieser Form eigentlich viel komplexer.
00:48:37: Und das Schriftbild, oder Schrifttextbild somit natürlich auch vielleicht ambitionierter oder auch chaotischer.
00:48:45: Und diese Reduktion auf der Still- also immer dasselbe Format des Bildes war dann auch ein bisschen ein Kompromiss.
00:48:54: was diese Seiten halt auch ausmacht, ist dieses eliminierendes Spaltenstegs.
00:49:00: So dass eben nicht nur diese vertikale Leserichtung entsteht sondern eine wieder durchwobene, auch horizontale in alle Richtungen gehende Verwebung und das war uns schon wichtig, dass wir das irgendwie halten konnten.
00:49:17: Also ein spezifisches Detail, was wir noch nicht genannt haben.
00:49:21: Ein zweisprachiges Buch ist, jede Sprache hat eine Schrift.
00:49:27: Eine Serifenschrift, die andere serifenlos und die haben dann jeweils eine Seite des Buches entweder auf der rechten oder auf der linken Seite immer durchlaufend.
00:49:37: etwas was sich auch noch verändert sind Die Anzahl spalten Und die Schriftgröße und dadurch entsteht eigentlich wirklich so ein mal engmaschiges und ein breitmaschigeres Layout.
00:49:50: Und dieser Rhythmus in all diesen Teilen ist extrem verschieden.
00:49:53: Könnt ihr uns etwas dazu sagen, wie ihr dieses System etabliert habt?
00:49:58: Es war vielleicht nicht von Anfang an so ein Straight Forward-System sondern wirklich eine intensive Auseinandersetzung mit Sheila Hicks Arbeit selbst und diese Mittelachse, dieses wilde Flatten auch das Verweben der unterschiedlichsten Inhalten war dann eigentlich eine Reaktion dazu oder eine Annäherung vielleicht.
00:50:19: So wie ich das verstehe, oder sehe ist das Buch auch ein Grenzen austesten, wie das funktioniert in unterschiedlichsten Bereichen und für welchen Inhalt dann vielleicht eine andere Anordnung oder eine andere Spaltenaufteilung besser funktionieren.
00:50:39: Das Buch ist komplett im Mittelachse gesetzt.
00:50:43: Die Schriften passen in ihrer Größe eigentlich nicht zusammen, sind auch nicht angeglichen worden.
00:50:50: Das war ja noch wichtig.
00:50:51: ich habe mich zuerst ein bisschen dagegen gestorbt aber hab dann gefunden okay wenn du das so willst also es beißt sich ja auch irgendwie ist es so ein bisschen...so macht man's eigentlich nicht!
00:51:05: Das fangen wir irgendwie dann auch cool.
00:51:08: Und es gibt noch ein paar Eigenheiten, zum Beispiel einzelne Wörter auf Ausgangszahlen.
00:51:14: Auch das macht man nicht.
00:51:16: in diesem Sinne aber war uns auch ebenfalls wichtig um diese vertikale, diese Fäden sozusagen diese Achsen zu betonen.
00:51:25: Ich glaube dass waren so Eigenheiten und dann natürlich doch relativ schwere Papier.
00:51:31: Ja wir wollten so eine gewisse physische Präsenz erreichen und trotzdem haben wir natürlich versucht, da noch eben einen Hauch von einem Papier einzuflegen mit den Legenden oder mit dem Index der Abbildungen aus dem Rundgang.
00:51:50: Du weißt am Anfang erwähnt ihr habt auch Kapitel erfunden.
00:51:53: hat das damit zu tun?
00:51:55: Ja genau also hat auch damit zu Tun.
00:51:57: oder wir hätten ja die Legenden beispielsweise auch in den Ausstellungsrundkang integrieren können.
00:52:03: Das war auch eine Zeit lang so dass das überhaupt kein eigener Teil war.
00:52:08: Also dieses radical editorial sorting, wie das Just Grotens nennt, das kommt da eigentlich ein bisschen zum Zuge.
00:52:17: also diese Teile bleiben autonom und in diesem Sinne werden die Inhalte dann bei der Leserschaft eigentlich geknüpft nicht jetzt sozusagen bevormundend im Buch selbst zungen.
00:52:31: Das entsteht halt erst durchs lesen.
00:52:35: Das Buch ist ja ziemlich roh, oder?
00:52:38: Es hat diese Freirückenbrusche.
00:52:40: Es gibt ein einziges Papier bis auf eine Ausnahme.
00:52:45: Wie kann die Entscheidung zu diesem schlichten Objekt... Also auch wie die Gestaltung innen kann macht das Objekt natürlich direkt aus dieser Auseinandersetzung mit ihrem Werk In dieser Art drückt sich das jetzt sicher durch diese radikale Entscheidung von diesem einen Papier oder von diesen zwei Papieren aus, die eigentlich nicht weiter verarbeitet wurden.
00:53:08: Also diese Rohheit von diesem Material ähnlich wie eben die Fäden oder die Materialien, die Sheila Hicks braucht und zu etwas neuem Form, dass das kommt sicher von
00:53:19: ihr.".
00:53:20: Und vielleicht auch zu erwähnen ist, dass Sheila – und das war auch in der Ausstellung – präsent Tagebücher ausgestellt hatte Und diese Tagebücher, die waren eigentlich eingewickelt in Fäden.
00:53:34: Das war auf jeden Fall eine Inspiration!
00:53:37: Ich weiß auch gar nicht wie viele Dommys haben wir schlussendlich gemacht aber es waren unzählige Dommies.
00:53:44: und also eine Idee war eben zum Beispiel dass diese Fäden des Bindens, dass die nicht geschnitten werden sondern dass sie halt lange bleiben und dann sozusagen um das Buch gewickelt würden analog zu Schieler's Tagebücher.
00:54:00: Wir haben Damis gemacht in China wir haben Dames gemacht im den Niederlanden es wurden extra fäden angeknüpft.
00:54:08: dann haben uns die Knoten die dann entstanden sind nicht gefallen.
00:54:12: Es kamen Damis zurück.
00:54:15: So ist mein Pferde Schwanz an Fägen hinten dran.
00:54:19: Und die Kosten werden da natürlich eben auch explodiert, also Prognoten so und so viel kosten.
00:54:27: Also schon ziemlich abgewahren.
00:54:29: Ich glaube aber ein Hauptargument war einfach auch ja dass wir gefunden haben das ist alles künstlich und das ist dann Handarbeit und muss das nicht einfach auch industriell produzierbar bleiben?
00:54:41: Und ja, dieser ganze Weg sieht man den Buch in der jetzigen einfachen vielleicht radikalen Form so nicht unbedingt an.
00:54:51: Es steckt auf jeden Fall mehr drin als jetzt.
00:54:54: einfach ah das ist ein einfach Rohrbuchblock und that's it!
00:54:58: Es gibt schon bei dieser Art von Künstlerinnen die schon lange und immer mehr Leute inspiriert und interessiert viele andere Bücher.
00:55:08: Unter anderem ein Buch, das auch die Goldene Letze gewonnen hat von Irma Bohm, Sheila Hicks Weaving as a Metaphor.
00:55:16: Das ist schon lange vergriffen.
00:55:18: super teuer war dieses Buch oder waren auch andere Büchern alle auf eurem Tisch dass man da irgendwo noch eine Lücke findet.
00:55:26: also wir haben zu dieser Zeit eigentlich sehr viele Bücher angeschaut und zu sehen welche Ansätze bereits bestehen war eigentlich unglaublich wichtig, denke ich jetzt im Nachhinein für dieses Buch.
00:55:38: Nicht nur dass man sich irgendwie einen Raum freimacht wo man selbst dann hinstellen kann sondern viel mehr auch um sich inspirieren zu lassen oder zu schauen was funktioniert vielleicht bereits?
00:55:49: Oder auch welche Bilder wurden bereits mehrmals abgedruckt und gibt es da vielleicht noch eine Möglichkeit ein anderes Bild rauszusuchen eine andere Fotografin zu finden die auch bereits Shira Hicks fotografiert hat?
00:56:03: Ich glaube, das hat vielmehr eigentlich das Projekt bereichert.
00:56:07: Und ich glaube für mich persönlich war das Sheila Hicks Weaving as Metaphor wirklich auch so okay!
00:56:13: Wenn das möglich war dann können wir jetzt komplett wild gehen und ich glaube von dort kam auch diese Energie wirklich komplett etwas Wildes zu machen.
00:56:24: Das hat sich dann in diesem Rat bestätigt weil alle wilden Entwürfe und Objekte die Sheila gesehen hat, hat sie auch sofort unterstützt.
00:56:36: Ja kann man sich auch sagen dass ihre eigene Praxis ja das Experiment beinhaltet sehr sehr stark oder es wäre dann irgendwie auch komisch wenn die das dann bei anderen abblocken würde.
00:56:48: Also das Chor war glaube ich einfach Entwurf Nummer eins von Jahr nach und der hat sich einfach gehalten und dann auch mit dieser Schrift und das war einfach klar.
00:57:01: Und diese Schrift ist auch noch vielleicht interessant, jetzt das zu erwähnen mit der goldenen Letter.
00:57:07: Eine Reinterpretation wenn man so will einer Coslon gezeichnet von Scott van der See.
00:57:14: Scott Van der See hat dieser Schrift auch beigesteuert an Jarnas Buch welches ausgezeichnet worden ist und Scott van Der Sie war auch bei Hubertus Partner als das Buch aus den Goldenen Lettern bekommen hat.
00:57:29: Wir sollen sagen, im Hintergrund schwingt er da wie mit.
00:57:34: Es ist einfach noch schön das zu erwähnen vielleicht.
00:57:38: Im Intro haben wir erwähnt du bist schon oder wirst in naher Zukunft bei Lars Müllow Publishers eine Rolle spielen?
00:57:47: Wir besprechen hier Bücher aber das ganze publicistische gehört natürlich dazu und vielleicht kannst du uns erzählen was deine Rolle sein wird und was dich daran reizt jetzt da aktiv bei einem Verlag mitzuwirken.
00:58:01: Es ist so, dass Kerstin Landis und ich werden über die nächsten drei Jahre den Lars Müller Verlag übernehmen.
00:58:10: Ich aus Verleger und Kerstine Landis als Managing Director.
00:58:15: Lars bleibt noch dabei wird aber über die drei Jahre versuchen weniger zu machen und wir immer mehr.
00:58:22: das ist so ein bisschen der Plan.
00:58:24: jetzt.
00:58:24: wie das alles zustande kam es natürlich eine längere Geschichte weil Ich kenne Lars ja auch schon lange.
00:58:30: Eines der ersten Bücher, an welchen ich gearbeitet habe ist bei Lars Müller erschienen, Globus Cassus Christian Waldvogel damals der Beitrag der Schweiz für die Kunstbienale in Fenedig und so haben wir uns näher kennengelernt und ich hab halt auch von den Plänen erfahren das Lars sich überlegt hat wie lang es den Verlag unter seiner Leitung und Führung noch geben soll.
00:58:57: und da standen verschiedene Optionen im Raum.
00:59:01: Die eine war Verlagschließen nach vierzehn Jahren oder vierzehnt Jahren, und eine andere Option war dann eben auch vielleicht Investorinnen-Investoren zu suchen, die dieses Erbe und diese tollen Titel weiter in die Zukunft trägt.
00:59:21: Und da ich selbst eben schon so lange in diesem Buch-Business bin oder eben so buchobsessiv bin, war das keine Frage für mich.
00:59:30: Es lag irgendwie auf der Hand!
00:59:33: Ich konnte nicht anders als das zu wagen und deshalb ist das irgendwie ganz eine aufregende Zukunft.
00:59:42: Natürlich auch schwierig, jetzt so diese Perspektive zu wechseln.
00:59:46: Das ist ein anderes Business aus dieser verleglichen Perspektiven an Bücher heranzugehen, Bücher vielleicht auch zu erfinden wie das wahrscheinlich nur wenige gemacht haben oder können wie das eben Lars macht?
01:00:00: Oder Netzwerke zu pflegen und Inhalte überhaupt ranzukommen Inhalte neu zu denken und dann das alles eben mit diesem Impetus einer gestaltenden Persönlichkeit.
01:00:22: Ja, was mir besonders gefallen hat am Gespräch mit den beiden ist die Zusammenarbeit zwei Personen, die an einem ganz anderen Punkt in ihrer Karriere sind.
01:00:30: Und dieser Mix zwischen Energie- und Erfahrung habe ich irgendwie stark wahrgenommen und ich denke dass sie sich im Gespräch aber auch im Projekt ganz gut ergänzt haben.
01:00:40: Und noch zum Thema Generation.
01:00:42: Ich fand es auch rührend zu hören, dass eine profilierte Künstlerin wie Sheila Hicks auch beim X-ten Buch immer noch so motiviert war und dass dieser Enthusiasmus noch da ist – das ist irgendwie ganz toll mit deinerinzig Jahren!
01:01:10: dem ganzen Kontext, den Sie brauchen.
01:01:13: Und da fand ich es schon auch noch witzig zu hören Wir haben über die Zweisprachigkeit gesprochen und dem Umgang mit den Schriften und wie Jana etwas vorgeschlagen hat das von Jonas eigentlich zuerst aus Das würde ich so nie machen beschrieben wurde.
01:01:28: und natürlich ist es einerseits eine Möglichkeit als jüngere Designerin in einem Projekt so mitzuarbeiten und da die Geschichte mitzuschreiben und gleichzeitig ist es für einen Praktiaumse-Bereichender auch, wenn neue Perspektiven dazukommen.
01:01:41: Und das funktioniert aber eben nur, wenn Vertrauen da ist und gegenseitige Offenheit sich einzulassen auf die Vorschläge.
01:01:49: Etwas was mich auf einer ganz anderen Ebene berührt hat, wir haben zusammengeschaut wo Schiller Hicks aufgewachsen ist – und das wirklich in der Mittele of Nowhere – und dass eigentlich über das Buch oder auch über die Ausstellung diese Person und ihre Werk, ihre Geschichte, ihr Leben kennenlernen durften ist eigentlich ein wunderschönes Beispiel dafür, was Publikationen bewirken können.
01:02:11: Und wenn ich jetzt denke es ist nicht aus St.
01:02:13: Gallen zu mir gekommen sondern eben aus diesem Middle of nowhere in Nebraska ist es schon extrem beeindruckend!
01:02:19: Ja, und ich denke das ist auch ein Grund warum solche Projekte sicher sehr interessant sind.
01:02:24: Und auch in Erinnerung bleiben Begegnungen mit Menschen die man sonst nie getroffen hätte.
01:02:30: und ja eben sowohl Jonas als auch Jana haben von diesem Zoom-Call mit Sheila Hicks erzählt und diese Aura dieser Person die aus einem ganz anderen Kontext um einen ganz anderen Ort kommt.
01:02:42: und auf einmal kommen diese vier fünf Personen um ein Projekt zusammen und das ist sicher eine Erfahrung, die allen Beteiligten in Erinnerung bleiben wird.
01:02:53: Jonas nun sind wir schon am Ende der Episode.
01:02:55: Vielen Dank für diesen Einblick in die Welt von Chila Hicks!
01:02:58: Alle Infos zu unserem Gästen unter besprochenen Büchern findet ihr wie immer in den Shownauts.
01:03:03: Diese Folge, wie auch alle anderen Episoden von Nicht nur schön, sind auf Apple Podcasts, Spotify und nicht nur schön.ch.
01:03:11: zu hören.
01:03:12: Und seit kurzem haben wir ja auch einen Newsletter.
01:03:14: Wenn ihr ab jetzt keine Folge mehr verpassen wollt, könnt ihr euch gerne über unsere Webseite dafür anmelden.
01:03:22: In der nächsten Episode werden wir von einer Hitzewelle überrollt.
01:03:27: Es geht dabei um die Reaktivierung vergessener Techniken, die uns bei der Bewältigung der Klimakrise helfen können und um einen Schattenplätzchen während der Architekturbienale in Venedig.
01:03:39: Jonas ich freue mich auf den nächste Folge mit dir!
01:03:42: Ich freue mich auch!
01:03:43: Arrivederci.
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